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Warum können wir uns nicht einfach alle lieb haben?

Ja, diese Überschrift mag einen dazu verleiten, genervt die Augen zu verdrehen, sich an die Stirn zu fassen und sich zu fragen, was denn in meinem Leben schief läuft und wie zur Hölle ich auf die Idee komme, so eine bescheuerte und offensichtliche Frage zu stellen. Ist doch klar – es geht einfach nicht, weil Menschen sich nunmal nicht alle lieb haben können. Das ist einfach so. Schließlich gibt es gute und böse Menschen und Menschen haben verschiedene Vorlieben und Interessen und sowieso, solange Menschen alle unterschiedlich sind können sich nicht alle lieb haben. So einfach ist das.

Aber ist das überhaupt so einfach?

Ich sitze in der ausnahmsweise mal nicht so überfüllten Uni Bibliothek und versuche mir meine acht Seiten Verbtabellen einzuprägen – möglichst ohne in Heulkrämpfe auszubrechen, wenn ich daran denke, dass ich nicht mal mehr zwei Wochen Zeit zum Lernen habe, bis die Klausur ansteht. (Nebenbei bemerkt sind Heulkrämpfe sowieso nicht erlaubt, in dem Moment wo ich laut anfange zu schluchzen würde ich also sofort rausgeworfen werden.)
Währenddessen denke ich über die Pferdefotoszene nach. Das tue ich oft momentan – seit dem Moment, in dem ich für mich gemerkt habe, dass es einfach nicht mehr der richtige Ort für mich ist. Zu oft ärgere ich mich, bin bestürzt ob der Hinterlistigkeit und des uneingeschränkten Egozentrismus vieler Pferdefotografen und frage mich, wie es sein kann, dass man als Mensch im 21. Jahrhundert so viele Dinge, die momentan auf der ganzen Welt passieren, einfach ausblendet, um in seiner eigenen kleinen, heilen, luxuriösen Blase zu leben (und an dieser Stelle ist nicht materieller Luxus gemeint). Stattdessen geht es da um schlecht gestempelte Halfter, wessen Model die längste Mähne hat, wer welche Location als erstes gefunden und wer wem die Idee geklaut hat. Dann wird einmal ordentlich aufgeschrien, wenn es das Bild so in der Art schon mal bei jemand anderem zu sehen gab und man wird sehr schnell als Copy Cat und „irgendwie doch unter dem Niveau der anderen“ abgestempelt. Und irgendwie ist das dann auch das Schlimmste was passiert. Und das wirklich Schlimme daran ist: es ist tatsächlich für viele Pferdefotografen das Schlimmste, was passieren kann. Zumindest stellen sie sich das so vor.
Ganz ehrlich: ich habe darauf einfach keine Lust. Die hatte ich noch nie, aber jetzt bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich mich einfach davon distanzieren und meine Prioritäten anders setzen möchte. Kurz gefasst – es ist mir echt egal welches Pferd die längste Mähne und wer die Location zuerst entdeckt hat. Es interessiert mich einfach nicht. Zu oft war ich frustriert von der Gehässigkeit und der Heuchelei, die sich in der Szene ein kuscheliges Plätzchen in der Mitte der Fotografen gesucht hat.
Ich habe keine Lust darauf, mich der Stimmung anzupassen, so ein Verhalten nah an mich ran zu lassen und darauf zu reagieren – nur um dann irgendwann genauso zu werden.
Aber ja, irgendwo tut es schon weh, Ratschläge zu geben und sich kollegial zu verhalten nur um dann, wenige Minuten später, zu überlegen, ob der andere das denn auch für einen selbst tun würde oder ob man gerade einfach nur ausgenutzt wurde. Ich habe die Lust verloren nett zu sein und zu helfen und das ist wirklich wirklich traurig. So weit sollte es niemals kommen – weder in einer Randszene der Fotografie, noch sonst irgendwo auf der Welt im echten Leben.

„Vielleicht bist du einfach nicht für diese Ellenbogen-Szene geschaffen“, musste ich mir vor kurzem anhören. Ich sei zu weich. Und irgendwo zu naiv.
Und das bin ich vermutlich auch. Nein – ganz sicher sogar. Ich bin an vielen Punkten meines Lebens weich, gutgläubig und naiv. (Natürlich nicht an allen – gerade beim Thema Tierschutz verwandelt sich der ganze Frust in mir oft in Wut und da kann ich auch ungemütlich werden.)
In mir drin steckt ein kleines, naives Kind, das mit großen Augen fragt: „Warum können wir uns nicht einfach alle lieb haben?“
Und ist das denn so schlimm? Klar, Naivität ist nicht unbedingt eine Charaktereigenschaft, die sich jeder zuschreiben möchte. Aber was ist daran so verkehrt, den Menschen erstmal positiv gegenüber zu treten und nicht immer vom Schlimmsten auszugehen? Ich will nicht immer davon ausgehen, dass Menschen sich einander nur ausnutzen und Schaden zufügen wollen. Ich will nicht immer davon ausgehen, dass letztendlich jeder sich selbst der nächste ist. Ich will daran glauben, dass es irgendwann möglich ist, dass Menschen sich offen begegnen und ja, verdammte Scheiße, ich will daran glauben, dass wir uns alle einfach lieb haben können!

Das, was hier die Pferdefotoszene verdeutlicht, ist allgegenwärtig. Das heißt nicht, dass es nicht Unterschiede gibt, wie Menschen anderen Menschen gegenübertreten. Aber wir Menschen, und gerade wir Deutschen, sind einfach misstrauisch. Und es ist so schade, dass dieses Misstrauen leider in einigen Fällen angebracht ist.
Laut einer Studie sind die Skandinavier am glücklichsten – und das hängt stark damit zusammen, dass sie den vertrauensvollsten und offensten Umgang miteinander haben. Misstrauen, Hass und Zorn machen auf Dauer unglücklich. Und das nicht nur andere, sondern vor allem einen selbst.

Hier bin ich nun und versuche mich nicht wie ein Klischee-Hippie zu fühlen, während ich für mehr Liebe, mehr Rücksicht und mehr Verständnis plädiere. Für mehr Großzügigkeit, mal selbst zurückstecken und anderen Menschen offener und weniger misstrauisch gegenüber treten.
Vielleicht haben die Hippies ja wirklich recht: vielleicht ist love, peace and happiness wirklich der Schlüssel zum Weltfrieden und dem absoluten Glück. Vielleicht sollten wir dem ganzen einfach mal eine Chance geben.

thesouldevelops

Und irgendwie, jetzt, am Ende des Beitrages, ist all mein Frust und meine Wut verraucht. Denn ich tue mir selbst keinen Gefallen damit, mich ausgenutzt zu fühlen und darüber zu ärgern, dass mein Wohlwollen missbraucht wird.
Ich werde weiterhin versuchen, mein inneres kleines Kind so liebevoll wie möglich aufzuziehen, in der Hoffnung, ihm irgendwann die große Welt zeigen zu können und zu antworten: „Guck mal. Wir haben uns doch lieb.“

∴ Having a soft heart in a cruel world is courage, not weakness. ∴

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